
Recherche enthüllt umfangreiches Netzwerk illegaler Online-Glücksspielangebote mit Soft2Bet-Technik

Eine gemeinsame Untersuchung von Bayerischer Rundfunk, Investigate Europe sowie weiteren internationalen Partnern hat aufgezeigt, wie der in Zypern und Malta ansässige Betreiber Soft2Bet Infrastruktur für rund 120 nicht lizenzierte Online-Casino-Websites bereitstellt, die für deutsche Nutzer erreichbar bleiben; Marken wie Wazamba und Rabona gehören zu den betroffenen Angeboten, während interne Unterlagen belegen, dass das Netzwerk zwischen 2020 und 2024 über 600 Millionen Euro aus diesen Aktivitäten erwirtschaftete und allein im Mai 2026 etwa acht Millionen Besuche aus Deutschland verzeichnete.
Die beteiligten Plattformen verzichten häufig auf vorgeschriebene Spielerschutzmechanismen und setzen stattdessen auf aggressive Werbestrategien, wobei die deutsche Glücksspielbehörde GGL bestätigte, Soft2Bet als technischen Dienstleister zu kennen, ohne jedoch eine gerichtlich nachgewiesene direkte Beteiligung am illegalen Glücksspiel festzustellen.
Hintergründe der grenzüberschreitenden Ermittlungen
Die Recherche begann mit der Auswertung interner Dokumente und Verkehrsdaten, die zeigen, wie Soft2Bet, gegründet von Uri Poliavich, technische Grundlagen für zahlreiche Casino-Seiten liefert und dabei auch deutsche Spieler anspricht, obwohl diese Angebote keine gültige deutsche Lizenz besitzen; Behörden und Journalisten verfolgten dabei Muster, die auf systematische Umgehung nationaler Regulierungen hindeuten, während die betroffenen Marken weiterhin Werbung in deutscher Sprache schalten und Zahlungssysteme integrieren, die auf schnelle Ein- und Auszahlungen ausgelegt sind.
Finanzielle Dimensionen und Nutzerzahlen
Zwischen 2020 und 2024 generierte das Netzwerk nachweislich mehr als 600 Millionen Euro Umsatz aus den illegalen Operationen, wobei die Besucherzahlen im Mai 2026 allein acht Millionen Zugriffe aus Deutschland erreichten; diese Zahlen stammen aus der Analyse von Server-Logs und Tracking-Daten, die von den Recherchepartnern ausgewertet wurden, und verdeutlichen das Ausmaß, mit dem solche Plattformen trotz regulatorischer Hürden weiterhin operieren können.

Experten beobachten, dass die fehlenden Schutzvorkehrungen auf vielen dieser Seiten zu erhöhten Risiken für Spieler führen, da Altersverifikationen und Limit-Setzungen oft umgangen oder gar nicht implementiert werden, während aggressive Marketingkampagnen neue Nutzer anlocken und bestehende Kunden zur weiteren Teilnahme motivieren.
Stellungnahme der deutschen Aufsichtsbehörde
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) äußerte sich zu den Vorwürfen und bestätigte, dass Soft2Bet als technischer Anbieter bekannt sei, doch bislang keine gerichtlich bewiesene unmittelbare Beteiligung am Betrieb unlizenzierter Glücksspiele vorliege; diese Position basiert auf laufenden Prüfverfahren, die sich auf die genaue Rolle des Unternehmens konzentrieren und weitere Ermittlungen in Betracht ziehen, ohne dass bereits Sanktionen gegen den Dienstleister verhängt wurden.
Technische und organisatorische Strukturen
Soft2Bet stellt nach den vorliegenden Erkenntnissen Backend-Systeme, Zahlungsabwicklungen sowie Software-Plattformen bereit, die es den 120 genannten Casino-Marken ermöglichen, ohne eigene Lizenzen zu operieren und dabei deutsche IP-Adressen nicht zu blocken; interne Protokolle zeigen zudem, dass Werbepartner und Affiliate-Netzwerke intensiv genutzt werden, um Traffic aus Deutschland zu generieren, während die Betreiberstrukturen über Zypern und Malta abgewickelt werden, um regulatorische Anforderungen in anderen EU-Staaten zu umgehen.
Auswirkungen auf den deutschen Markt
Die Aufdeckung wirft Fragen zur Wirksamkeit bestehender Sperrmechanismen und zur Kooperation zwischen EU-Staaten auf, da die betroffenen Seiten trotz nationaler Verbote weiterhin erreichbar bleiben; Beobachter verweisen darauf, dass die Kombination aus fehlendem Spielerschutz und aggressiven Vermarktungsstrategien zu anhaltenden Problemen führen kann, während die GGL ihre Überwachungsaktivitäten ausweitet, um ähnliche Fälle künftig schneller zu identifizieren.
Fazit
Die gemeinsame Recherche von Bayerischer Rundfunk, Investigate Europe und Partnern liefert detaillierte Einblicke in die Funktionsweise eines Netzwerks, das Soft2Bet-Infrastruktur für illegale Online-Casinos nutzt und dabei signifikante Umsätze sowie hohe Besucherzahlen aus Deutschland verzeichnet; die Stellungnahme der GGL unterstreicht zugleich die Notwendigkeit weiterer rechtlicher Klärungen, um die genaue Verantwortung technischer Dienstleister in solchen Konstellationen abschließend zu bewerten. Die vollständige Berichterstattung ist auf tagesschau.de abrufbar.